Manche Immobiliengeschäfte sind mehr als nur Quadratmeter und Zahlen. Besonders dann, wenn ein Verkauf Teil einer Trennung ist – und Erinnerungen noch deutlich spürbar im Raum stehen.
In einem solchen Fall durfte ich eine sehr schöne Wohnung im 18. Bezirk betreuen. Die Eigentümer waren geschieden, beide zur Hälfte im Grundbuch. Während der eine Teil, nämlich der Ex-Mann noch in der Wohnung lebte, war die Ex-Frau bereits mit den beiden kleinen Töchtern ausgezogen. Die Räume waren noch vollständig eingerichtet: Möbel, Spielsachen, ein liebevoll gestaltetes Kinderzimmer – sogar das kleine Meerschweinchen war noch Teil dieses Alltags, der eigentlich schon vorbei war.
Gerade in solchen Situationen ist Vertrauen entscheidend. Mir war wichtig, mit beiden Seiten offen, transparent und gleichwertig zu kommunizieren. Alle Schritte wurden abgestimmt, alle Informationen gleichzeitig weitergegeben. Besichtigungen fanden ausschließlich nach Terminvereinbarung und im Beisein des Ex-Mannes statt – ruhig, respektvoll und ohne Druck.
Es fand sich rasch eine junge Familie, die sich sofort in die Wohnung verliebte. Sie hätte das Objekt sogar komplett möbliert übernommen – so wie ursprünglich vereinbart, ohne zusätzliche Kosten. Doch als ein konkretes Angebot vorlag, änderte sich plötzlich die Stimmung seitens des Ex-Mannes. Er stellte nachträglich Forderungen, die so nicht ausgemacht waren. Er wollte eine recht hohe Möbelablöse für sich allein, obwohl beiden Verkäufern die Wohnung gehörte. An diesem Punkt war klar: Meine Rolle ist es nicht, Absprachen zu umgehen oder Vorteile auf Kosten einer Partei zu verschaffen – sondern fair zu bleiben.
Der Weg zum Abschluss war dadurch steiniger als erwartet. Die Verträge wurden schließlich getrennt unterzeichnet, die Übergabe verlief nüchtern. Als die neuen Eigentümer die Wohnung übernahmen, war sie vollständig geräumt – bis auf das, was fix verbunden war. Auch Dinge, die niemand mehr gebraucht hätte, waren entfernt worden.
Es war kein schöner Moment. Aber es war ein ehrlicher. Und am Ende blieb eine Familie, die sich dennoch auf ihr neues Zuhause freute – und die Gewissheit, dass selbst in schwierigen Situationen Professionalität, Klarheit und Neutralität das Wichtigste sind.